Kastration – Hund

Kastration bei Hündin und Rüde – Für und Wider

Während wir die Kastration der Hündin aus medizinischen Gründen fast immer befürworten, raten wir in der Regel von der Kastration beim Rüden ab.
Bei der Kastration werden entweder Eierstöcke und Gebärmutter oder die Hoden komplett entfernt, bei der Sterilisation nur Eileiter/Samenleiter unterbunden.

 

Kastration der Hündin
Da die Hündin nur 1-2x im Jahr läufig wird und in der Zwischenphase kaum hormonell aktiv ist, greift die Kastration bei weitem nicht so tief in den Sexualstoffwechsel ein wie beim Rüden.
Die Hündin durchläuft keine Wechseljahre, die hormonelle Steuerung und ihre Feinjustierung wird aber mit zunehmendem Alter schwieriger und verursacht ab dem 7. Lebensjahr zunehmend gesundheitliche Probleme.

Gründe für eine Kastration:

Pyometra:
Etwa 6 Wochen nach der Läufigkeit kann es zu einer Pyometra (Gebärmuttervereiterung) kommen, die hochakut – ähnlich einer brisanten Blinddarmentzündung – mit viel Durst, schlechtem Allgemeinbefinden, oft auch eitrigem Ausfluß aus der Scheide auftritt und sofort operiert werden muß. Alternativ kann mit dem teuren Alizine behandelt werden, das das Problem aber nur kurzfristig klärt, da nach der nächsten Hitze jederzeit eine weitere Pyometra entstehen kann.

Mammatumore:
Ältere Hündinnen entwickeln häufig Brusttumore, die leider oft bösartig sind und in Lunge, Leber oder gar in die Knochen metastasieren können.
Besonders anfällig sind unserer Erfahrung nach Patientinnen, die mehrfach scheinträchtig waren oder einmal geworfen haben. Eine Operation zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung – es muß abgeklärt sein, daß noch keine Metastasen zu finden sind – mit gleichzeitiger Kastration und begleitender spezieller Krebstherapie (keine Chemotherapie!) ist zwar meist dauerhaft erfolgreich, aber eine Operation in jungen Jahren erspart Ihrer Hündin und Ihnen viel Aufregung und Sorge.

Bester Zeitpunkt
Der ideale Zeitpunkt für die Kastration ist die hormonelle Tief-Phase zwischen den Läufigkeiten, etwa drei Monate nach Beginn der ersten Hitze.
Wir lehnen die Frühkastration vor der ersten Läufigkeit ab, weil wir der jungen Hündin damit ihre Pubertät „klauen“ und riskieren, daß sie weiterhin kindlich-goldig bleibt und keine eigenständige erwachsene Charakterfestigkeit entwickelt. Im Einzelfall raten wir sogar manchmal dazu, einen zweiten Zyklus abzuwarten, wenn die Hündin noch sehr unerwachsen wirkt.

Probleme durch die Kastration

Veränderung der Fellqualität
Bei Rassen wie Irish Setter, Spaniel und Deutsch Langhaar muß der Eingriff wegen der zu erwartenden negativen Fellveränderung gut bedacht werden.

Gewichtszunahme
Die Entfernung der Eierstöcke bewirkt eine Verminderung des täglichen Kalorienbedarfs um bis zu 30%. Es ist daher enorm wichtig, die Hündin in den Wochen nach der OP zweimal wöchentlich zu wiegen, um einer Gewichtszunahme durch rechtzeitige Anpassung der Futterart und -menge vorzubeugen.
Bei bereits übergewichtigen Hündinnen raten wir von einer Kastration eher ab, um diesen Zustand nicht noch zu veschlimmern und letztlich die Lebensfreude zu beeinträchtigen.

Inkontinenz

Nach der Kastration – meist erst im fortgeschrittenen Lebensalter – kann es aufgrund des Wegfalls der Östrogenproduktion und ihrer stabilisierenden Wirkung auf den Blasenschließmuskel zu einer Harninkontinenz kommen. Diese Problematik tritt aber relativ selten auf und ist mit Homöopathika, Akupunktur oder Norephedrinpräparaten gut in den Griff zu bekommen. Nur in Ausnahmefällen ist eine Östrogentherapie nötig.

Fazit ist, daß die gesundheitlichen Vorteile für Ihre Hündin meist deutlich überwiegen

 

Kastration des Rüden

Im Gegensatz zur Hündin verändert sich das Leben für den Rüden – der an 365 Tagen im Jahr ein „Rüde“ ist – durch die Kastration enorm.
Er sinkt in der Hierarchie anderen Rüden gegenüber, muß ggf. sogar ein Aufreiten durch andere Rüden ertragen, nimmt fast immer deutlich zu oder ist zumindest sehr viel schwieriger schlank zu halten und verliert oft sichtbar an Lebensenergie und Power. Probleme wie spätere Inkontinenz und negative Fellveränderung können wie bei der Hündin auftreten.

Gründe für die Kastration

  • Aggression gegen männliche Artgenossen
  • pathologischer Liebeskummer
  • hypersexuelles Verhalten
  • Prostaterkrankungen
  • Hodentumore
  • Perinealtumore oder Pernealhernien
  • abdominaler Kryptorchismus (ein oder beide Hoden in der Bauchhöhle)

Eine Kastration aufgrund einer Erkrankung kann auch im fortgeschrittenen Alter erfolgen, der Kryptorchismus sollte frühzeitig behoben werden.

Seit einigen Jahren ist es möglich, eine Kastration durch Suprelorin, einen 6 Monate lang wirkenden Anti-Hormon-Chip zu simulieren und so die individuellen Veränderungen beurteilen zu können. Dann kann immernoch entschieden werden, ob die operative Kastration für Ihren Rüden überhaupt in Frage kommt oder es sinnvoll ist, den Chip weiterhin einzusetzen, was auch über einen längeren Zeitraum nebenwirkungsfrei möglich ist.