Diabetes mellitus bei der Katze

Diabetes mellitus bei der Katze

siehe dazu auch Ankündigung auf der Startseite!

Diabetes mellitus

Der aus der Nahrung gewonnene Energielieferant, die Glukose, muß in den Stunden nach der Futteraufnahme aus dem Blut in die Körperzellen transportiert werden. Dazu ist das Hormon Insulin notwendig, das in den Langerhans’schen Inselzellen der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Bei einem Insulinmangel kommt zuwenig Traubenzucker in den Zellen an, der Blutzuckergehalt im Blut steigt an. Um die überschüssige Menge über die Nieren wieder auszuscheiden, benötigt der Körper sehr viel zusätzliche Flüssigkeit. Ein zuckerkrankes Tier trinkt daher deutlich mehr als vorher und setzt entsprechend mehr Urin ab. Obwohl einige dieser Patienten mehr fressen (die meisten verweigern die Nahrung eher) „hungern“ die Zellen, weil sie kaum Energie bekommen und das Körpergewicht nimmt ab.

Risikofaktoren

  • Übergewicht
  • zuckerhaltige Nahrung
  • zu wenig Bewegung
  • Pankreatitis = Bauchspeicheldrüsenentzündung

Symptome

Polydipsie = vermehrter Durst
Polyurie = erhöhte Harnmenge
Anorexie = Nahrungsverweigerung, Appetitlosigkeit
Polyphagie= vermehrter Hunger, bei der Katze eher selten
Gewichtsverlust
Katarakt = Linsentrübung, kann Blindheit zur Folge haben
Bänderschwäche in den Hintergliedmaßen, Katze fußt bis zum Fersengelenk auf

Therapie

Ziel der Therapie ist es, eine gute Lebensqualität wiederherzustellen. Bei guter Einstellung und sorgfältiger Kontrolle kann dabei eine Überlebenszeit von vielen Jahren erreicht werden. Die Katze reagiert im Gegensatz zum Menschen nicht auf oral eingenommene Medikamente und muß zweimal täglich Insulininjektionen erhalten. Da Katzen eine sehr weiche Haut besitzen, spüren sie den Einstich der dünnen Kanülen nicht und lassen sich die Injektionen in aller Regel problemlos gefallen.
Besonders in den ersten Tagen und Wochen müssen regelmäßig Blutabnahmen (ca. 4 Stunden nach Insulin-Gabe) erfolgen, um die individuell passende Insulindosis zu ermitteln. Dazu stehen wie in der Humanmedizin Geräte zur Verfügung, mit denen Sie daheim den Glucose-Wert selbst bestimmen können oder wir nehmen in der Praxis Blut ab. In jedem Fall stehen wir Ihnen zur Seite und helfen Ihnen bei den „Startproblemen“. Der Blutzuckerspiegel soll den größten Teil des Tages unter 180 mg/dl liegen und einen Wert von 80 mg/dl nicht unterschreiten. Manche Geräte messen in mmol/l, die Normalwerte liegen dann bei 5,5 – 6,9 mmol/l. Das Erreichen des Normalwertes von 100 mg/dl bzw. 5,5 mmol/l wird nicht angestrebt, um auch nach unten genügend Spielraum zu haben, falls die Katze mal die Nahrungsaufnahme verweigert und dann unweigerlich in einen Unterzucker fallen würde. Meist gelingt die Einstellung relativ mühelos, bei schwierigen Patienten ist es zwingend erforderlich, ein sogenanntes Tagesprofil mit zahlreichen Blutabnahmen zu erstellen.

Wenn sich der Glucose-Spiegel tatsächlich nicht einstellen läßt, muss nach Ursachen geforscht werden :

Injektionstechnik überprüfen (s.u.), Fütterung besprechen – besonders die Gabe von Pankreasenzymen kann problematisch sein, andere Erkrankungen berücksichtigen und an störende Medikamentenwirkungen (z.B. ß-Blocker, Hormone) denken. Möglicherweise muss zu einem anderen Typ Insulin gewechselt werden.

Unterstützend ist eine Diabetes-Diät wichtig, die von verschiedenen Herstellern angeboten wird. Bewegung ist enorm wichtig, um die „Insulinpumpen“ anzuregen. Animieren Sie Ihre Katze oft zum Spielen! Übergewichtige Tiere müssen unbedingt abnehmen!

Erkennen einer Unterzuckerung – Symptome der Hypoglykämie

  • Schwäche, Lethargie
  • Muskelzuckungen, Krämpfe
  • Bewußtseinstrübung bis hin zum Koma

Um bei einer Hypoglykämie sofort reagieren zu können, sollte immer Honig oder Traubenzucker und eine Spritze im Haushalt vorhanden sein, um bei Bedarf schnell eine Zuckerlösung eingeben zu können.
Die Hypoglykämie ähnelt in ihren Symptomen dem Zuckerkoma bei Hyperglykämie, eine an sich gut eingestellte Katze erreicht diesen Zustand der extrem hohen Glukosewerte aber nicht wieder, während sie durchaus in den Unterzucker fallen kann, wenn sie z.B. krankheitsbedingt schlechter oder gar nicht frißt, trotzdem aber gespritzt wurde.
Daher ist es sinnvoll, das Insulin während oder kurz nach der Futteraufnahme zu verabreichen, wenn klar ist, ob und wieviel der Patient gefressen hat.

Injektionstechnik

Kein Katzenbesitzer ist erfreut über die Aussicht, seine Katze jahrelang selbst spritzen zu müssen. Da sich die Tiere dies aber üblicherweise klaglos gefallen lassen, schwindet die anfängliche Scheu meist schnell.

Trotzdem ist es nicht ganz einfach, kleine Mengen sicher aufzuziehen, die Nadel muss ca. 5 sec. unter der Haut verweilen, bevor sie wieder rausgezogen wird und die Inketionsstelle sollte häufig gewechselt werden, da lokale Entzündungen die Insulin-Resorption stören können.

 

Diabetes mellitus ist bei der Katze zwar eine sehr ernstzunehmende Erkrankung, die aber gut beherrschbar ist, oft über viele Jahre hinweg. Unumgänglich ist die Umstellung auf ein Diabetes-Futter und möglichst viel Bewegung. Hin und wieder verschwindet die Symptomatik  irgendwann sogar wieder.